Wir möchten jemanden würdigen, den vermutlich die wenigsten kennen dürften: den deutschen und eben doch weltbekannten Philosophen Jürgen Habermas. Habermas ist am Samstag 96-jährig gestorben.

Es gibt immer wieder Menschen, die sehr großen Einfluss haben auf das eigene Leben, ohne dass man ihren Namen kennt oder überhaupt weiß, dass es sie gibt.
Zum Beispiel durch Erfindungen oder durch politische Entscheidungen.

Habermas war so jemand, aber hat etwas anderes gemacht. Er war Philosoph. Er hat nachgedacht, er hat sich überlegt, was wirklich wichtig ist, und er hat sein Denken mit vielen Menschen geteilt.

Ausgangspunkt seiner Arbeit als Philosoph ist der Schrecken, der Schrecken über den Zweiten Weltkrieg und die ungeheuren Verbrechen Nazideutschlands. Habermas, 1929 in Düsseldorf geboren, war gerade 15, als der Krieg endete.
Er ist zu der Überzeugung gelangt, dass wir Menschen uns durch die Sprache, die wir teilen, verständigen können, auch dass wir die Fähigkeit haben, Konflikte ohne Gewalt zu lösen.
Ihr werdet jetzt sagen, Konflikte ohne Gewalt lösen, das ist ein Wunschtraum, die Realität ist anders. Genau da hat Habermas versucht weiterzudenken. Warum ist es oft anders? Was hindert Menschen daran, sich verständigen zu können?
Sein Gedanke: Menschen haben prinzipiell die Möglichkeit zu denken und zu sprechen und sich zu verständigen. Sie haben daher auch die Pflicht, das, was sie tun (oder lassen), zu begründen. Einfach bestimmen, geht nicht, Du musst es begründen und andere fragen.
Dafür hat er eine sehr besondere Formulierung gefunden: den zwanglosen Zwang des besseren Argumentes. Den zwanglosen Zwang des besseren Argumentes.
Dafür, nicht nur, aber vor allem dafür möchten wir den großen Jürgen Habermas würdigen.
Danke

 

M. Wetz, Lehrer an der IGH