An der Internationalen Gesamtschule Heidelberg haben die Schülerinnen und Schüler der 5. und 6. Klassen ein beeindruckendes Zeichen der Solidarität gesetzt: Sie organisierten in der Weihnachtszeit mit allen Klassenleitungen der gesamten Orientierungsstufe und teilweise auch zusammen mit Eltern einen Weihnachtsbasar und sammelten dabei Spendengelder für das Hospiz Sterntaler. Nun konnten die Kinder die stolze Summe von 1050 Euro übergeben. Stufenleiter Nicki Mayerhöffer und Initiator der Spendenaktion Christian Hoss brachten einen großen Scheck mit.

Zu diesem Anlass war Beate Däuwel vom Hospiz Sterntaler an der IGH zu Gast. Sie stellte den Schülerinnen und Schülern die Arbeit des Hospizes vor und bedankte sich herzlich für die großzügige Spende. Dabei wurde deutlich, wie viel Gutes die Unterstützung der IGH für die betroffenen Kinder und ihre Familien bewirken kann.

Das Hospiz Sterntaler ist das einzige Kinderhospiz in der Rhein-Neckar-Region und eines von nur rund 20 Einrichtungen dieser Art in ganz Deutschland. Dort werden Kinder und junge Erwachsene mit lebensverkürzenden Erkrankungen begleitet. Zugleich unterstützt das Hospiz auch deren Eltern und Geschwister auf ihrem oft langen und schweren Weg. „Jedes Kind, das geht, ist eins zu viel. Aber Hilfe und Begleitung gehen über viele Jahre weiter“, erklärt Beate Däuwel. „Es gibt einen Tag der Erinnerung, Geschwisterfreizeiten, das Hospiz fängt ganze Familien auf. Die Eltern werden alle paar Wochen angerufen. Manchmal dauert ein Gespräch eineinhalb Stunden. Die Gefühle und Bedürfnisse der Menschen stehen im Vordergrund.“

Das Haus selbst befindet sich in einer alten Mühle und ist bewusst so gestaltet, dass es nicht wie ein Krankenhaus, sondern vielmehr wie ein kleines Zuhause wirkt. Familien sollen dort Kraft tanken, Ruhe finden und für eine Zeit dem belastenden Alltag entkommen können. Zusätzlich gibt es ein Elternhaus, in dem Familien fast wie in einer kleinen Pension Urlaub machen können. „Alle im Hospiz haben dieselbe Thematik. Das gibt Halt. Man findet gegenseitiges Verständnis und emotionale Unterstützung“, erläutert Beate Däuwel.

Viele Familien bleiben dem Hospiz über Jahre hinweg verbunden. Manche Kinder werden über lange Zeit begleitet, und auch die Geschwisterkinder bleiben oft weiterhin in Kontakt – selbst nach dem Verlust eines Bruders oder einer Schwester. So entstehen enge Beziehungen, Vertrauen und Gemeinschaft.

Beate Däuwel berichtete den Kindern von den vielfältigen Angeboten des Hospizes. Dazu gehören Pflege, Therapie, Unterkunft, pädagogische Betreuung und liebevoll gestaltete Freizeitmöglichkeiten. Es gibt Begegnungsräume, in denen Familien gemeinsam essen und kochen können, offene Bereiche zum Basteln, Spielen und Reden sowie gemütliche Lese- und Sofaecken, in denen man sich zurückziehen kann. Die Kinder dürfen mitbestimmen, was sie essen möchten, und ihre Zimmer mit vertrauten Gegenständen von zu Hause gestalten – etwa mit Kuscheltieren und persönlichen Lieblingssachen. So entsteht eine Atmosphäre, die Geborgenheit vermittelt und ein Stück Alltag bewahrt.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf Therapien und Angeboten, die Freude, Entspannung und Wohlbefinden schenken. Dazu gehören zum Beispiel Hundetherapie, Clown-Therapie oder Aromatherapie mit Bädern und Massagen. Die tiergestützte Therapie spielt eine wichtige Rolle: Der Hund Fips und die Hündin Alma sind speziell ausgebildet und schenken den Kindern viel Freude. Außerdem kommen alle paar Wochen Ponys ins Hospiz. Diese therapeutischen Angebote sind sehr kostenintensiv: Allein die tiergestützten Therapien kosten rund 10.000 Euro pro Jahr.

Auch in schweren Momenten werden Familien im Hospiz nicht allein gelassen. Ein Trauerbegleiter-Team unterstützt sie beim Abschiednehmen. Im sogenannten Sternenzimmer können Familien in geschützter Atmosphäre von ihrem Kind Abschied nehmen. Daneben gibt es ein Familienzimmer, in dem Angehörige willkommen sind, übernachten können und Raum für Gespräche und gemeinsames Trauern finden.

Besonders bewegend war auch, was Christian Hoss, Lehrer an der IGH und Initiator der Spendenaktion, über seine persönliche Motivation erzählte. Er berichtete, dass er selbst einen Cousin verlor, der mit nur 16 Jahren starb und in einer ähnlichen Einrichtung begleitet wurde. Dort wurde ihm noch ein letzter Wunsch erfüllt: Er durfte die Profis des FC Bayern auf dem Trainingsgelände kennenlernen. Diese Erfahrung hat Christian Hoss tief geprägt. Seit zehn Jahren ist er Mitglied beim Hospiz Sterntaler und unterstützt dessen Arbeit. Seine Frau arbeitet in der Onkologie. Beide verbindet der Wunsch, Kindern bis zuletzt noch ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.

Für Christian Hoss ist die Spendenaktion aber noch aus einem weiteren Grund wichtig: Er möchte den Horizont der Schülerinnen und Schüler erweitern, ihren Blick weiten und ihnen zeigen, dass es im Leben noch viel mehr gibt als das, was im Schulalltag oder zu Hause unmittelbar sichtbar ist. Mitgefühl, Verantwortung und gesellschaftliches Engagement seien Werte, die an der IGH ganz bewusst gelebt werden sollen. Umso herzlicher bedankte er sich bei allen Kindern, die zum Gelingen des Weihnachtsbasars beigetragen haben.

Der Besuch von Frau Däuwel hat die Schülerinnen und Schüler nachhaltig beeindruckt. Die Übergabe der 1050 Euro war deshalb weit mehr als nur eine Spendenübergabe – sie war ein Zeichen von Verbundenheit mit den Kindern und Familien des Hospizes Sterntaler. Die Spendengelder der IGH-Schülerinnen und -Schüler unterstützen die Arbeit im Kinderhospiz und schenken den Kindern und ihren Familien wertvolle Stunden der Entlastung.

Am 20. Juni lädt das Hospiz Sterntaler zu einem Tag der offenen Tür ein. Dann haben Interessierte die Möglichkeit, das Hospiz zu besuchen und einen Einblick in diese besondere Arbeit zu erhalten.

Die IGH ist stolz auf das Engagement ihrer 5. und 6. Klassen. „Es ist toll, dass die Kinder im Hospiz genauso viel wert sind wie alle anderen“, sagt eine Schülerin. „Und dass sie sich noch Wünsche erfüllen können“, ergänzt eine andere Schülerin. „Und dass es nicht wie ein Krankenhaus ist, sondern wie zuhause“, schließt eine dritte Schülerin.

 

Text/ Fotos: Iunia Ionescu