Ein Hauch von Champion-Spirit wehte durch die Internationale Gesamtschule Heidelberg, als ein bekanntes Gesicht an seine alte Wirkungsstätte zurückkehrte. Der Profiboxer Emanuel Odiase kam zusammen mit seinem Bruder Dominique, um den Schülerinnen und Schülern eine wichtige Botschaft mit auf den Weg zu geben.
Schulleiter Herr Dr. Maier eröffnete die Veranstaltung mit einer Einordnung des Sports. Boxen sei mehr als nur ein physischer Kampf. Er betonte, dass dieses kontrollierte Kräftemessen strengen Regeln unterliegt. Gerade der sportliche Rahmen helfe dabei, unkontrollierte Aggressivität zu kanalisieren und stattdessen in Disziplin umzuwandeln.
Der Organisator des Besuchs, Christian Hoss, unterstrich das Leitmotiv des Tages: Wie Träume zum Ziel führen. Er erklärte, dass es in jungen Jahren darum gehe, seine Berufung zu finden und zu realisieren, und auch darum, was man bereits während der Schulzeit alles dafür tun und erreichen könne.
Emanuels zentrale Botschaft an die Jugend war geprägt von Werten: „Zollt euren Eltern und Lehrern Respekt“, mahnte er. Sie seien diejenigen, die ihr Bestes geben, um Kinder auf ihrem Weg zu begleiten. Erfolg erfordere zudem die Konzentration auf die eigenen Ziele und ein Umfeld, das an die Träume glaubt, die man hegt und einen dabei unterstützt, sie zu realisieren. Emanuel gab offen zu, nicht immer der beste Schüler gewesen zu sein. Doch wie im Ring zählte für ihn die Weiterentwicklung: Tag für Tag ein Stück besser zu werden.
Bruder Dominique absolvierte an der IGH sein Abitur. Er teilte eine wichtige Erkenntnis mit den Schülern: Oft werde einem erst später im Leben bewusst, welch großes Privileg Bildung darstellt.
Besonders eine Reise in das Heimatland ihres Vaters, Nigeria, habe ihre Perspektive verändert. Emanuel bestritt dort einen Kampf in Lagos. Inmitten der Armut sahen die Brüder, wie schwer es viele Kinder dort haben. Diese Erfahrung löste tiefe Dankbarkeit für das deutsche Bildungssystem aus. Ihr gemeinsames Motto lautet seither umso stärker: Mit harter Arbeit sollte man versuchen, seine Träume zu verwirklichen, denn das sei in Deutschland möglich.
In einer abschließenden Fragerunde wollte Religionslehrer Christian Hoss wissen, wie sich der Glaube an Gott mit dem harten Boxsport vereinbaren lasse. Emanuel antwortete mit einer Geschichte über die „Spuren im Sand“, die ihm Zuversicht einflößt und die ihn in seiner Überzeugung bekräftigt, dass man auch in harten Zeiten eine Stütze im Glauben finden kann:
„Ein Mensch sieht im Rückblick auf sein Leben zwei Paar Fußabdrücke im Sand, weil Gott stets an seiner Seite ging. Doch in den schwersten Zeiten seines Lebens ist da plötzlich nur noch eine Spur zu sehen. Als er Gott fragt, warum er ihn gerade dann allein gelassen habe, antwortet dieser: 'Dort, wo du nur eine Spur siehst, habe ich dich getragen.'“
Nach der Vorstellung der beiden Brüder entwickelte sich eine lebhafte Fragerunde, in der die IGH-Schüler dem Profi auf den Zahn fühlten.
Vor allem das Thema der Gefährlichkeit des Sports beschäftigte einige Schüler.
„Wie fühlt es sich an, jemanden k.o. zu schlagen?“, wollte ein Schüler wissen. „Im ersten Moment gut, aber später ist es mir extrem wichtig, dass es dem Gegner gut geht“, erklärte Emanuel.
Auf die besorgte Frage, ob er schon mal jemanden schwer verletzt habe, antwortete er ehrlich: „Eine gebrochene Nase kann im Boxsport vorkommen.“ Dominique betonte an dieser Stelle, dass Boxen ein Beruf mit klaren Regeln sei und nichts mit Gewalt im Alltag zu tun habe. Verletzungen seien zwar Teil des Sports, aber Fairness sei wichtig und die Sorge um den Gegner und seine Gesundheit ebenfalls eine Realität. Man wünsche sich, dass jeder gesund nach Hause zurückkehrt.
Einen der Schüler interessierte besonders der Umgang mit Niederlagen: „Kein Meister ist vom Himmel gefallen“, so Emanuel. Rückschläge seien normal. Ein wahrer Gewinner zeichne sich dadurch aus, niemals aufzugeben, denn Niederlagen machten einen letztlich stärker.
Sein großes Idol sei Muhammad Ali. Emanuel möchte in dessen Fußstapfen treten – nicht nur sportlich, sondern auch menschlich. Er ist überzeugt, dass jeder Einzelne die Welt verändern kann, und sei es nur durch ein freundliches Lächeln, das einem anderen den Tag versüßt.
Spannend war die Frage, wie Emanuel überhaupt zum Boxen kam. Ursprünglich war er begeisterter Fußballer, doch ein extrem schneller Wachstumsschub machte ihm dort einen Strich durch die Rechnung. Er verlor den Spaß und die Leistung sank. Durch seinen Bruder Dominique fand er schließlich zum Boxsport, in dem er seine wahre Berufung entdeckte. Heute trainiert er zwei bis dreimal pro Tag, mit Ausnahme des Sonntags.
Gefragt nach ihren Lieblingslehrern und ihren Erfahrungen an der IGH erinnerten sich beide Brüder sofort an Frau Dangelmaier und Frau Siebold. Besonders die Internationalität der IGH habe Emanuel geprägt: Kinder aus der ganzen Welt kennenzulernen und die Integration verschiedener Kulturen sei für ihn eine große Bereicherung gewesen.
Zum Abschluss stellte Christian Hoss eine Frage zur Bedeutung von Authentizität. Emanuel fand hierfür klare Worte: In der Schule versuche man oft, zu den „Coolen“ zu gehören und sich zu verstellen. Doch wahrer Erfolg käme nur dann, wenn man den Mut habe, man selbst zu sein und zu seinen eigenen Werten zu stehen.
Emanuels wichtigster Rat an die IGH-Gemeinschaft: „Lasst euch nicht verrückt machen. Jeder Mensch besitzt unterschiedliche Stärken. Die Schulzeit ist dazu da, diese Stärken gemeinsam mit den Lehrern herauszufinden und mutig den eigenen Weg zu gehen.“
Ein inspirierender Vormittag, der zeigte, dass man mit dem richtigen Fokus – ob im Ring oder im Klassenzimmer – viel erreichen kann.



